Technische Realisierung der Filmaufnahmen des Videoprojekts "Nacht-Orte" von Oliver Boberg.

Er stellt die Wahrnehmung des Betrachters auf die Probe
"Ist Wirklichkeit nur mehr Geschmackssache" - "Rekonstruktion eines Heimatgefühls durch perfekten Schwindel?" - "Was ist authentisch?" - "Verfeinerte Irritation über den Wahrheitsgehalt eines Bildes"







Er baut Modelle, fotografiert sie - filmt sie ab. Banale Szenen die jeder kennt; ein Hinterhof mit verrosteter Laderampe, eine Landstraße im Nachtregen, ein Fabrikschuppen bei Nacht.





Was ist echt? Was seh`ich da, die Realität? ein reales Modell? - was zeigt mir das Bild, der Film? Wie steht´s um den Wahrheitsgehalt? die Manipulation der Wahrnehmung? Wie real ist die Realität am Bildschirm? Kann ich meiner Wahrnehmung trauen?

Das Projekt:
Eine Serie von 6 Nachtmotiven. Es soll die Nähe und Assoziation zu Filmarchetypen erweckt werden. Bildeinstellungen die jeder kennt.
Die Assoziation mit dem Kinofilm war gewünscht. Am besten Cinemascope. Die Präsentation in den Galerien sollte über DVD und Videoprojektor erfolgen.

Erste Tests führten Oliver Boberg und mich, über DV und Digibeta zu 16mm Film, da dieser durch die Körnung der Filmemulsion am stärksten an gewohntes "Kino" erinnerte. Als Kamera kam die Arri 16SR3 mit 1:1,85 Bildfenster zum Einsatz. Das Filmmaterial war Vision 200T von Kodak.

Bei der Projektion in den Galerien wurde das Bild dann durch Flags auf 1:2,35 gekascht. In den Motiven gab es nur minimale Bewegung, die durch Zeitlupendreh mit 50B/s an den Masstab des Modells angepasst wurde.

Zur Beleuchtung der Sets kamen HMI Scheinwerfer zwischen 200W und 1,2 kW zum Einsatz, die mit voller CTB Folie korrigiert, zusammen mit der Kunst-
lichtsensibilisierung des Vision 200T, den Bildern einen satten Nachtblau-Touch gaben. Der Kontrastumfang der Nachtmotive lag bei 6,5 Blenden . Arbeitsblende war in der Regel 2.0 mit Zeiss Highspeed Objektiven.




Süddeutsche Zeitung, vom 10. Sept. 2003

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